Ich weiß echt nicht, was mit mir schiefgelaufen ist. Da sitze ich den ganzen Tag auf der Arbeit, starre auf Bildschirme und wühle mich durch Hardware-Specs, und was mache ich zum Feierabend? Ich installiere mir ein Spiel, in dem ich… auf Bildschirme starre und mich durch Hardware-Specs wühle.
Aber irgendwas hat dieser IT Specialist Simulator an sich. Vielleicht ist es dieser Moment gestern Nacht um zwei, als ich mit zusammengekniffenen Augen auf ein virtuelles Terminal gestarrt habe, nur um festzustellen, dass ich in der IP-Konfiguration einen Punkt vergessen habe. Wer diesen Schmerz kennt und trotzdem weitermacht, ist hier genau richtig.
Der Moment, in dem mich das Spiel entweder verloren oder gewonnen hätte, war mein erster Bluescreen. Nicht an meinem echten PC, Gott bewahre, sondern an der virtuellen Workstation im Spiel. Da stand ich nun in meinem kleinen, etwas zu steril beleuchteten Büro und dachte: „Echt jetzt? Ich muss das jetzt wirklich fixen?“ Es gibt kein großes Intro-Video, kein episches Orchester. Nur du, dein Tablet und ein Berg an Arbeit. In dem Augenblick, als ich das erste Mal ein Gehäuse aufgeschraubt habe und die detaillierten Bauteile sah, hat es Klick gemacht. Es ist diese ehrliche, fast schon stumpfe Direktheit, die zeigt: Hier geht’s nicht um Action, hier geht’s um Handwerk.
Einstieg: Kaltes Wasser ist gar kein Ausdruck
Der Einstieg ist… nun ja, sagen wir mal „authentisch“. Wer erwartet, dass er wie in anderen Simulatoren an der Hand geführt wird, bekommt hier erst mal eine virtuelle Backpfeife. Man landet im Helpdesk und die ersten Tickets trudeln ein. Das Interface ist funktional, fast schon trocken, genau wie die Tools, die man im echten IT-Alltag nutzt. Es ist charmant-chaotisch, weil man am Anfang gar nicht so recht weiß, wo man anfangen soll.

Soll ich erst die Software-Updates fahren oder den Drucker im Nachbarraum reparieren, der laut Ticket „komische Geräusche macht und riecht“? Das Spiel wirft dir Begriffe wie SLA (Service Level Agreement) um die Ohren und erwartet, dass du priorisierst. Das ist anfangs überfordernd, aber auf eine gute Art. Es fühlt sich eben nicht nach einem Tutorial an, sondern nach dem ersten Arbeitstag, an dem der Chef im Urlaub ist und dir nur einen Zettel mit „Viel Glück“ hinterlassen hat.
Gameplay: Von der Kommandozeile bis zum Schraubendreher-Verschleiß
Das Gameplay ist im Grunde ein zweigeteiltes Biest. Auf der einen Seite hast du die Hardware-Ebene. Wenn du einen PC zur Reparatur annimmst, reicht es nicht, ihn anzuschauen. Du musst das Gehäuse physisch drehen, jede einzelne Rändelschraube lösen (und ja, man verklickt sich ständig) und dann das Innenleben inspizieren
. Das Spiel simuliert hier über 150 verschiedene Tasks. Das geht vom simplen „Tausch mal die GPU aus“ bis hin zu fiesen Fehlern wie defekten RAM-Bänken oder Netzteilen, die zwar noch Strom liefern, aber unter Last die Grätsche machen. Manchmal stehst du da, hast alles getauscht und die Kiste piept trotzdem nur traurig vor sich hin, denn das ist der Moment, in dem der Simulator dich emotional genau dort packt, wo es wehtut.

Dann ist da die Software-Ebene, und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Du hast ein virtuelles OS, das sich erschreckend echt anfühlt. Du installierst Treiber, suchst in Logdateien nach Fehlermeldungen und nutzt das Terminal. Wer schon mal im echten Leben ping oder ipconfig eingegeben hat, wird sich sofort zu Hause fühlen. Die Netzwerk-Konfiguration ist kein Minispiel, sondern echte Arbeit. Du musst Subnetzmasken checken, Router-Einstellungen im Browser-Interface des Spiels anpassen und sicherstellen, dass die Pakete auch dort ankommen, wo sie sollen.
Das Zeitmanagement durch die SLAs (Service Level Agreements) gibt dem Ganzen einen stressigen Unterton. Wenn die Uhr tickt und du zum dritten Mal das falsche Passwort im Terminal eingibst, fängst du echt an zu schwitzen. Es ist dieses repetitive, aber hochgradig befriedigende „Abarbeiten“, das den Flow ausmacht.

Atmosphäre & Welt: Neonlicht und Serverbrummen
Wie fühlt sich das an? Wer schon mal in einem Serverraum stand, kennt dieses tiefe, monotone Brummen der Lüfter. Genau das liefert der Simulator. Die Atmosphäre ist nicht „spannend“ im herkömmlichen Sinn, sie ist fokussiert. Wenn du alleine in deinem Büro sitzt und draußen die virtuelle Sonne untergeht, während du die letzte Datensicherung des Tages anwirfst, hat das was fast schon Meditatives.
Die Grafik ist kein Hardware-Fresser, sieht aber sauber aus. Die Details an den Komponenten sind top. Man erkennt die Mainboard-Layouts wieder, man sieht, wo die Kabel hinführen. Es ist kein Hochglanz-Büro aus einem Werbefilm, sondern es wirkt ein bisschen abgestanden, ein bisschen benutzt. Genau so, wie IT-Abteilungen eben aussehen, wenn man da nicht nur für das Foto drinsteht. Dass man verschiedene Karrierepfade einschlagen kann, etwa als E-Sports-Techniker, gibt der Welt den nötigen Rahmen, damit man nicht das Gefühl hat, nur in einem endlosen Loop Tickets abzuarbeiten.

Technik & Performance: Die Schattenseiten der Simulation
Kommen wir zum Maschinenraum, und da knirscht es leider noch ordentlich im Gebälk. Der IT Specialist Simulator ist ein klassisches PlayWay-Kind, ambitioniert, aber technisch eher rustikal. Obwohl das Spiel grafisch jetzt kein Cyberpunk ist, frisst es Ressourcen zum Frühstück. Die Mindestanforderungen mit einer GTX 950 sind eigentlich ein schlechter Scherz, wenn man flüssig arbeiten will. Auf einer RTX 2060, die für die „empfohlenen“ Settings herhalten muss, läuft es zwar meistens mit 60 FPS, aber sobald du in komplexeren Umgebungen mit vielen Lichtquellen oder vielen gleichzeitig simulierten Netzwerkgeräten unterwegs bist, sacken die Frames gerne mal in den Keller.
Die Optimierung ist das größte Sorgenkind im Early Access. Man merkt, dass die Engine (Unity) hier hart schuften muss, um die ganzen physikalischen Objekte und die gleichzeitig laufenden OS-Simulationen zu jonglieren. Besonders nervig sind die Physik-Glitches: Kabel, die durch Gehäusewände clippen oder Bauteile, die beim Ablegen auf dem Tisch plötzlich ein Eigenleben entwickeln und durch den Raum hüpfen.

Auch die Ladezeiten beim Wechsel zwischen deinem Büro und den Außeneinsätzen könnten kürzer sein – das fühlt sich manchmal an wie eine Gedenkminute für meine SSD. Es ist kein technischer Totalschaden, aber man braucht eine gewisse Fehlertoleranz. Wer eine absolut saubere Performance ohne Ruckler erwartet, wird hier (noch) enttäuscht. Das Spiel ist eben wie ein frisch aufgesetzter Server: Er läuft, aber du musst noch verdammt viele Patches installieren, bis er wirklich stabil ist.

Fazit: Die Diagnose steht
Der IT Specialist Simulator ist kein Spiel für jedermann. Wer nach Feierabend abschalten will und keine Lust auf Fehlermeldungen hat, sollte einen weiten Bogen drum machen. Aber für die Sorte Mensch, die auch im Urlaub gerne mal das WLAN im Hotel fixen würde, ist das hier Gold. Es ist ehrlich, es ist fordernd und es belohnt technisches Verständnis.
Man lernt hier tatsächlich etwas über Netzwerke und Hardware-Logik, ohne dass es sich wie Schule anfühlt. Es ist ein Spiel von Nerds für Nerds. Nicht perfekt, manchmal sperrig, aber mit ganz viel Herzblut programmiert.
